Anspruch auf sonderpädagogische Bildung im Förderschwerpunkt Lernen

 

Landesverbandstagung Baden-Württemberg

 

am 22. Oktober 2016 in der Murkenbachhalle und Pestalozzischule Böblingen

 

 

Trotz der Vielzahl der im Herbst durchgeführten Veranstaltungen kamen 190 Mitglieder, Freunde und Interessierte zur Landesverbandstagung nach Böblingen, um sich mit dem Anspruch auf ein sonderpädagogisches Bildungsangebot im Förderschwerpunkt Lernen intensiv auseinanderzusetzen und Konzepte fachlich miteinander zu diskutieren.

 

 

Zuerst aber wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der beeindruckend geschmückten Murkenbachhalle von der Theatergruppe der Pestalozzischule und Wilhelm-Hauff-Schule mit der „Goldenen Gans“ in die Tagung eingestimmt. Eine gelingende Kooperation von Grund- und Förderschule wurde bereits bei diesem Auftakt deutlich. Auch erwies sich das Team der Pestalozzischule und von LERNEN FÖRDERN Böblingen in jeder Beziehung als vorbildlicher Gastgeber und Ausrichter dieser Tagung.

 

 

„Die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention ist Menschenrecht“, brachte Ulrich Schwarz, Erster Bürgermeister der Stadt Böblingen, seine Meinung zum Ausdruck und zeigte auf, wie Inklusion in Böblingen in unterschiedlichen Bereichen verwirklicht wird. Die Entwicklung an der Pestalozzischule bezeichnete er als besonders gut gelungen, da hier für jedes Kind die richtige Lösung gefunden werde. Beim Konzept der Pestalozzischule handle es sich um ein landesweit gelungenes Modell.

 

Sonderschulrektor Steffen Heckele zeigte in seinem Beitrag auf, wie in Böblingen der Bildungsanspruch im Förderschwerpunkt Lernen am Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrum selbst und in kooperativen Organisationsformen mit der Wilhelm-Hauff-Grundschule eingelöst wird. Darüber hinaus seien Sonderpädagogen auch in inklusiven Settings an verschiedenen Schulen tätig. „Besonders erfolgreich können wir sein, wenn wir vom Kind aus zum individuellen Lerninhalt kommen und genügend Ressourcen für die Beziehungsarbeit einsetzen können“, berichtete er aus seiner Arbeit. Die Bedeutung der Beziehungsarbeit für Kinder im Förderschwerpunkt Lernen betonte auch Landesvorsitzende Mechthild Ziegler. Für das Gelingen inklusiver Bildung sei entscheidend, dass Konzepte in gemeinsamer Verantwortung zwischen allgemeiner Schule und Sonderpädagogischem Bildungs- und Beratungszentrum entwickelt werden. Für Kinder, die auf den Lernort Förderschule angewiesen sind, fordert Mechthild Ziegler, dass dieser Lernort künftig wieder mit den notwendigen Ressourcen ausgestattet wird. „Denn Kinder mit Anspruch auf ein sonderpädagogisches Bildungsangebot im Förderschwerpunkt Lernen dürfen nicht die Verlierer sein.“

 

 

Ministerialrat Sönke Asmussen informierte in seinem Beitrag über aktuelle Entwicklungen sonderpädagogischer Bildungsangebote. Bundesweit sei man damit beschäftigt, ein inklusives Bildungssystem zu etablieren, dennoch seien immer mehr Kinder in das System sonderpädagogischer Bildungs-, Beratungs- und Unterstützungsangebote eingebunden. Zunehmend sei auch eine Verschiebung der Schülerschaft zwischen den Förderschwerpunkten zu beobachten. In Baden-Württemberg gebe es seit dem letzten Schuljahr statt der Pflicht zum Besuch der Sonderschule einen Anspruch auf ein sonderpädagogisches Bildungsangebot. Zu beobachten sei, dass die Zahl der Schüler, die im Rahmen des sonderpädagogischen Dienst ihren Erfordernissen entsprechende Hilfen bekämen und die Zahl derer, für die der Anspruch auf ein sonderpädagogisches Bildungsangebot aufgehoben werden könne (bisher: Rückschulung) zurückginge und insgesamt die Zahl der Schüler mit einem festgestellten Anspruch auf ein sonderpädagogisches Bildungsangebot deutlich  angestiegen sei. Sonderpädagogik sei dem Subsidiaritätsprinzip verpflichtet, müsse zielgenau eingesetzt werden und sollte keine zusätzlichen Aufgaben übernehmen. Die seitherigen Kooperationen funktionieren, weil sie in der Praxis entwickelt wurden. Nun würden sich neue Aufgaben stellen, die unterschiedlichen Schularten müssten kooperieren und ihre Positionen zusammenführen, damit neue Qualität entstehen könne. „Inklusion ist eine Generationenaufgabe“, brachte Sönke Asmussen seine Überzeugung zum Ausdruck.

 

 

Prof. Dr. Bernd Ahrbeck von der Humboldt-Universität zu Berlin ging in seinem Vortrag zum Thema „Inklusion für alle Schüler?“ auf die in der UN-Behindertenrechtskonvention festgeschriebenen Rechte von Menschen mit Behinderung ein und betonte, dass darauf geachtet werden müsse, dass durch Veränderungen die Rechte der Kinder auch tatsächlich gestärkt werden. Folge von Entwicklungen müsse sein, dass sich ihre Lebens-, Lern- und Entwicklungssituation umfassend verbessert, Teilhabe und Partizipation gestärkt werden und eine (behinderungsspezifische) Förderung erfolgt, die auf einem möglichst hohen Niveau angesiedelt ist. Prof. Ahrbeck zeigte anhand wissenschaftlicher Studien auf, welche Entwicklungen für inklusive Bildung sprechen und welche Chancen der Förderschule gegeben werden. Die Förderkategorie Lernen aufzulösen, bezeichnete Prof. Ahrbeck als gefährlich, die Probleme der Kinder seien so schwerwiegend, dass sich diese nicht in Luft auflösen können. „Für viele Schüler kann die gemeinsame Beschulung von Vorteil sein und für manche Kinder ist sie es eben nicht“, war das abschließende Fazit von Prof. Ahrbeck.

 

 

Am Nachmittag hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Gelegenheit, sich zu aktuellen Entwicklungen mit Sönke Asmussen und zu Inklusion für alle mit Prof. Dr. Bernd Ahrbeck auszutauschen. Sie konnten sich an Workshops zur Internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF) mit Prof. Karl-Heinz Eser, zum Übergang Frühförderung/Schulkindergarten in die Schule mit Ingrid Schmid, Kultusministerium, Ina Breuninger-Schmid, Regierungspräsidium Stuttgart Alexandra Fritz, Staatliches Schulamt Böblingen beteiligen und sich bei Thomas Stöppler, Seminar Stuttgart, über den Sonderpädagogischer Dienst informieren. Bei Ansgar Rieß, Seminar Freiburg, ging es um Inklusive Bildungsangebote und bei Gisela Friedemann und Bettina Peschke-Rubin, Pestalozzischule Böblingen um Gelingensfaktoren für die Kooperation Grundschule – Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum. Über bindungsorientierte sonderpädagogische Begleitung referierte Dr. Hans-Günter Garz, Konstanz. Barbara Waidmann, Tübingen, setzte sich mit der Psyche von Kindern auseinander, Hermann Birkle mit Minimalanforderungen an die Berufsorientierung und Mechthild Ziegler mit Anforderungen an Bildungsangebote aus Elternsicht.

 

 

In einem Abschlussplenum wurden die Erkenntnisse des Tages unter dem Leitgedanken „Was ist relevant für gelingende Bildung?“ von den Referentinnen und Referenten der Arbeitsgruppen abgerundet.

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